Blick hinter die Kulissen

Fotos Martin Patze

"Gelebte Ergonomie, neue Raumkonzepte, spielerische Nutzbarkeit"

Das Jahr 2025 ist nicht mehr weit weg, aber weit genug weg, um Experimente zu erlauben. "Arbeiten 2025!" lautete deswegen der Aufruf zum 2. VARIO Design Competition. Die Gewinner wurden gestern Abend bei der Preisverleihung an einem Ort der Experimente gekürt: am Bauhaus Dessau.

Am Bauhaus experimentierte und probierte Marcel Breuer 1926 in den Möbelwerkstätten mit Faltsitzen und membranartigen Sitzflächen. Heraus kam Eisengarn. Bis dato gab es nichts vergleichbares im Bereich der seriellen Fertigung. "Breuers Stahlrohrmöbel und andere Bauhausmöbel sind allesamt Klassiker, oft wird vergessen, was für mutige Experimente das damals waren", daran erinnerte Nicolai Neubert, Professor für Produktdesign an der Hochschule Anhalt, stellvertretend für die Jury bei der Preisverleihung des 2. VARIO Design Competition "Arbeiten 2025!"

(Foto: Jury-Sitzung im September mit Kerstin Vollmer, Wolfgang Willenbrock, Nicolai Neubert, Klaus Michel, Petra Stammer, Marianne Eck. Unten Nicolai Neubert bei der Preisverleihung am 17. Oktober im Bauhaus Dessau)

Unter dem Motto "Arbeiten 2025" haben wir nach Ideen für unkonventionelles Arbeiten gefragt. Wir wollten Verrücktes, wir haben Ungewöhnliches bekommen. Aus 40 Einreichungen von StudentInnen der Architektur und Innenarchitektur hat die Jury sechs Preise vergeben, auf Instagram wurde zuvor bereits der Public Voting Preis ermittelt. In vielen der 40 Einreichungen geht es um das Neudenken des Raumes, um unterschiedliche Arbeits-Situationen, liegen, sitzen, stehen, alles ist möglich.

 

"Die Entwürfe sind überhaupt nicht konservativ, sondern es öffnet sich ein Reservoir an Ideen", so resümiert Nicolai Neubert die eingereichten Beiträge. "Ich finde das sehr positiv, denn man muss grundsätzlich über das Heute hinaus denken, sonst wird sich nichts verändern. Wenn man die Entwürfe sieht, denkt man, Vieles geschieht nur noch entspannt in Liegehaltungen und mit überschlagenden Beinen. Das ist aber erstmal eine interessante Perspektive. Es geht auch ganz stark um gelebte Ergonomie, stehen, liegen, hocken. Lilija Schicks Entwurfs greift das in ihrem visionären Scheiben-Konzept auf. Das ist im Grunde aber auch die Idee in Timo Jakobis "Mal sitzen, mal stehen": eine simple Kiste, die man sich auf den Schreibtisch stellt. Eine superfrische Lösung, auch wenn man erstmal denkt, wie banal. Ist aber auch sehr schlau gedacht."

Das sind die sieben Preisträger, the Winners are...

1. Preis (1500 Euro): "LIBRA"
von Lilija Schick, Hochschule Hannover, Innenarchitektur (8. Semester)

 

Dieser Wettbewerb sucht Ausdrucksformen für eine moderne Arbeitswelt. Die braucht Vorbilder - hier ist eins, so die Jury-Begründung. Lilija Schicks Konzept erlaubt Individualität, Kommunikation, verschiedene Arbeits-Szenarien, persönliche Fokussierung oder Teamwork und es geht gut mit den entstehenden Räumen um. Die Herausforderung und zugleich die positive Perspektive, die dieser Entwurf aufzeigt, das alles hat die Jury vollständig überzeugt. Auf den ersten Blick erkennt man nur ein metaphorisches Fragment, mit einer suggestiven Kraft. Kein Produkt, sondern ein Statement, eine Anregung zum Weiterdenken, die materialgewordene Manifestation eines veränderten Arbeitsbegriffs, ein Signature Item.


2. Preis (1000 Euro): "mal sitzen, mal stehen"

von Timo Jakobi, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Innenarchitektur, Master of Arts 2019

 

Wir reden eine Menge über das NEUE ARBEITEN. Wenn man „MAL SITZEN - MAL STEHEN“ von Timo Jakobi sieht, braucht man wiederum keine Erklärung. Ein kompaktes, eher unscheinbares Objekt, das es aber in sich hat - es erhebt den passiven Konsumenten zum aktiven Benutzer, macht Sitzen zu Stehen. Der kleine Unterschied heißt Ergonomie. Und die beste Ergonomie, ist nämlich die, die einen in Bewegung hält.
 

2. Preis (1000 Euro): "TuK 4"
von Timon Nüsken/Maximilian Stegmann/Jan Phillipp Heidenreich/Tim Hecker, Bergische Universität Wuppertal, Architektur (6. und 7. Semester)

 

Die selbstgestellte Frage "Wie entwirft man Nachhaltigkeit" wird überraschend und einfach beantwortet: Mit einem multifunktionalen, flächigen Objekt, das den Nutzer zum unkonventionellen Arbeiten einlädt. In/an/um TuK 4 kann man liegen, schlafen arbeiten, Kartenspielen und sich unterhalten. Das Möbel kann nichts, der Nutzer kann alles. Und es erzieht sie/ihn damit zum nachhaltigen Arbeiten.
 

Anerkennung (500 Euro): "ÜBEReck"
von Judith Edmaier und Barbara Naujokat, Technische Hochschule Rosenheim, Innenarchitektur (5. Semester)

 

Der Entwurf ist ein Cocon, der ganz verschiedene Arbeitsstile unterstützt, der eine Verbindung mehrerer Haltungen, Sitzarten und Lehnpositionen schafft so die Jury. ÜBERECK schafft Privatheit und Konzentration, ein und dasselbe Element erlaubt gleichzeitig aber auch Kommunikation und Gespräche. Es sieht aus wie ein Sitzmöbel, eigentlich ist es aber ein Raum im Raum, der zudem hervorragend für die Mittelzone geeignet ist. Seine räumliche Varianz erlaubt unterschiedliche Anordnungen und Kombinationen. Die schiere Größe wird wohltuend aufgelöst in eine Abfolge von geometrischen Flächen, die einen Raum umbauen und abgrenzen.
 

Anerkennung (500 Euro): "SIDE+"
von Pauline Gondek, Burg Giebichenstein Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Innenarchitektur (5. Semester)

 

Diese niederkomplexe Bauweise überzeugte die Jury durch ihre zeichenhafte und einfach verständliche Erscheinung. Für SIDE+ werden keine Werkzeuge gebraucht und keine Spezialisten, alle Verbindungen und Aufbauten sind selbsterklärend. Ein didaktisches und universelles Gestaltungskonzept. Die freundliche Erscheinung nimmt dem Arbeiten die Strenge und das Autoritäre - klare und sympathathische Interpretation eines Büromöbels.
 

Sonderpreis: "Sparplatte"
von Lucas Riedl, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Innenarchitektur (11. Semester)

 

"Wer im Jahr 2025 noch arbeitet, weiß vielleicht nicht, wohin mit seinem bedingungslosen Grundeinkommen. Ab damit in die Spar-Platte – einem Sparschwein aus 80% Spanplatte, 13% Gewindestangen, 3% Gummifüßen, 3% Muttern und 1% Unterlegscheiben.“ So beschreibt Lucas Riedl selber seinen Entwurf. Humor ist im Design immer willkommen… Design hat eine soziale Dimension, insbesondere bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen und Prozessen.
 

Sonderpreis Public Voting Instagram: "Landscape Workspace"
von Agatha Cindy Meike Guchi, Technische Hochschule Köln, Architektur (14. Semester)

 

Mit 628 Likes stimmten Instagram-Nutzer für den Entwurf "Landscape Workspace", der, so die Jury, eine Rauminszenierung ist, die die bekannten Büromöbelstrukturen dekonstruiert und zu einer neuen Anordnung von situativen Funktionsbereichen neu zusammensetzt.

 

Zur Jury gehörten in diesem Jahr: die Innen-Architektinnen Marianne Eck, Petra Stammer und Kerstin Vollmer, VARIO-Geschäftsführer Anton Flechtner, VARIO-Finanzchef Wolfgang Willenbrock, Klaus Michel, Gestalter und Professor an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und Nicolai Neubert. Professor an der Hochschule Anhalt.
Wir danken allen, die am Wettbewerb teilgenommen haben
 

Mehr über die Entwürfe der Preisträger

Alles über den ersten VARIO Design Competition "Pimp my M1!" aus dem Jahr 2018. Miriam Reihls Entwurf, der den 2. Platz gewann, wurde mittlerweile ins Programm aufgenommen und ergänzt die M1-Produktfamilie.


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