Blick hinter die Kulissen

von Simone Kaempf Fotos Eva Jünger

"Simple Wandelbarkeit überzeugt"

And the winner is … Der erste Platz des VARIO Design Competition "Pimp my M1!" geht an Blend Arllati, Student der Innenarchitektur in Detmold. Sein Entwurf "Meino" erweitert die Stapelbox M1 um ein Sitz-Liege-Modul. Die Jury hat insgesamt fünf Preise vergeben. Die Gewinner wurden beim Sommerfest bekannt gegeben und gekürt.

Den zweiten Platz belegt Miriam Reihl mit "Varioase" und den dritten Platz Timo Jakobi mit "M1 mobil", beide studieren an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle. Ein Sonderpreis ging an den Entwurf "Float", und die Jury prämierte auch den Sieger des Public Votings, Ruben Lagies, mit "VarioQ12".

 

Die Entwürfe der ersten drei Plätze wurden im Mai in der VARIO-Werkstatt als Modelle umgesetzt und im Juni auf dem Sommerfest prämiert und ausgestellt. Bei der Preisverleihung lobte Wolfgang Sattler, Professor für Produkt-Design an der Bauhaus-Universität Weimar, stellvertretend für die siebenköpfige Jury die Bandbreite und Qualität der eingereichten Entwürfe.

 

In der Begründung für die Vergabe des ersten Preises an Blend Arlatti, heißt es: "Blend Arllati überzeugt nach Einschätzung der Jury durch seine simple Wandelbarkeit von der Liegefläche bis zum abschirmenden Nest. Mit PET Filz greift der Entwerfer auf ein bei VARIO vorhandenes Material zurück und unterstützt damit die Produktfamilien-Bildung. Erster Platz für ein überzeugendes Konzept, Machbarkeit und einen innovativen Ansatz." Auf dem 2. Platz kam Miriam Reihl mit ihrem Entwurf "Varioase". Die Jury wählte den Entwurf, weil mit einem Rahmen als Erweiterung aus dem M1 ein leichtes und transparentes Möbel-Ensemble werde, “Durchbrechungen in den Abdeckplatten lassen, Spielraum für weit mehr als nur Pflanzen oder Bürountensilien“, argumentierte die Jury. Timo Jakobis "M1 mobil“, das den 3. Platz erhielt, überzeugte mit seiner Idee, für das M1 ein fahrbaren Untersatz zu entwickeln: "Jakobi verbindet zwei Welten miteinander. Die Welt eines Systemmöbels mit der Welt der Mobilität. Die Bilder, die man dazu im Kopf hat, werden umgesetzt. Der ursprüngliche Gedanke einer Sackkarre wird mit einem Systemmöbel integriert."

 

Mehr über seinen Entwurf von Blend Arllati, Jahrgang 1990, der in Detmold Innenarchitektur studiert und gerne mit Materialien experimentiert.

 

Wolfgang Sattler betonte in seiner Jury-Rede die Herausforderung für Gestalter, mit vorgefundenen Szenarien zu arbeiten.Beim VARIO Design Competition lautete die Aufgabenstellung, für die Stapelbox M1 neue Ideen zu entwickeln. Wie sind Sie vorgegangen?
Blend Arlatti: Ich habe mit dem Entwurf schon früh begonnen. Bei der Recherche nach Materialien und Textilien der Zukunft bin ich auf VARIO und das PET-Filz gestoßen. Erst danach fiel mir die Wettbewerb-Ausschreibung in die Hände und ich dachte, cool, das passt! Ich habe mir dann das M1 genauer angeschaut, und es fiel auf, dass die Stapelboxen als Podest zu meinem Entwurf für „Meino“ passen würde. Und dann musste ich eigentlich nur Maße und Details anpassen.

 

Wie entstand im Vorwege die Idee für Ihr variables Sitz-Liege-Möbel?
Mir war aufgefallen, dass in den neuen offenen Büros viel mit Tablets uns Handys gearbeitet wird, aber man manchmal doch Privatsphäre braucht. Deshalb habe ich eine Fläche entwickelt, auf der man entspannen kann, einen Alkoven bildet und abgeschirmt ist.

(Bild oben: v.l.n.r Die Preisträger des ersten VARIO Design Competition: Felix Görrissen, Blend Arllati, Miriam Reihl, Timo Jakobi, Ruben Lagies. Mitte: "Meino" in der Produktausstellung beim VARIO-Sommerfest. Unten: Anton Flechtner und Blend Arllati)

In welchem Zusammenhang haben Sie über neue nachhaltige Materialien recherchiert? War das ein Studentenprojekt?
Ja, genau. Das Projekt drehte sich um neue Materialien. Wir sollten Ideen entwickeln, wie Textilien zukünftig aussehen und wie man diese Materialien in Räumen einsetzen könnte. In dem Zusammenhang habe ich das PET-Filz entdeckt und hatte auch schon ein wenig mit dem Modell für "Meino" begonnen.


Sie studieren in Detmold Innenarchitektur im Master-Studiengang. Was sind Ihre Schwerpunkte?
Für mich habe ich mir Möbel- und Produkt-Design vorgenommen. Ich arbeite gerne an Details und in kleinerem Maßstab. Aber während des Studiums geht es erstmal um verschiedene Felder, man spezialisiert sich dann nach und nach. Als Bachelor-Arbeit hatte ich zum Beispiel eine Urne entworfen. Zuvor ging es auch schon mal um Stühle und Hocker, bei denen aber das Experimentieren mit Materialien im Vordergrund stand. Durch den VARIO-Wettbewerb habe ich nun das erste Mal etwas für den Büro-Bereich gemacht. Allerdings arbeitet mal als Student ja auch selbst in Räumen. Die der Hochschule sind zum Beispiel sehr offen, ähneln den Konzepten in neuen Arbeitswelten. Das Offene ist schön, aber es fällt auch hier auf, dass manchmal zuviele Menschen vorbei laufen und Privatsphäre fehlt. So entstand die Idee einen abgeschlossenen Ort zu schaffen, ohne gleich feste Wände zu bauen, also etwas, was flexibel bleibt.


Der Entwurf wurde im Mai bei VARIO umgesetzt und als Modell gebaut.
Ja, ich war nicht dabei. Aber Anton Flechtner stand mit mir in Kontakt, ich habe weitere Zeichnungen geschickt und Details genauer erklärt. Die Form ist elegant geworden, super. Das Material ist noch nicht ganz optimal, im Moment sind noch MDF-Platten als Verstärkung eingesetzt und man bräuchte noch mehr Zeit, um einen Prototypen zu realisieren. Aber von der Form und auch sonst passt alles, und wenn VARIO die Sitze-Liegefläche weiterentwickeln möchte, würde ich gerne mitmachen.

 

Wie geht Ihr Studium weiter?
Die nächsten beiden Semester sind für die Master-Thesis vorgesehen, im Sommer 2019 bin ich dann fertig mit dem Studium. Ich will ein Projekt mit Handwerkern in meiner Heimat als Masterarbeit realisieren. Handwerk gerät auch dort immer mehr in Vergessenheit, und ich würde gerne als Designer beim Erhalt mithelfen. Es soll um den Umgang mit Schmiedearbeiten, Holz, Leder oder Stein gehen, mal schauen, ich bin selber gespannt.

 

BLEND ARLLATI, Jahrgang 1990, studiert Innenarchitektur in Detmold. Mit seinem Entwurf gewann er den ersten Preis des VARIO Design Competition "Pimp my M1".

Der 1. VARIO Design Competition richtete sich an Studenten der Innenarchitektur, die Aufgabenstellung lautete, neue Ideen für die flexible Stapelbox M1 zu entwickelt. Zur Jury gehörten die VARIO-Innenarchitektin Marianne Eck, die Architektinnen Petra Stammer und Kerstin Vollmer, IHK-Juristin Valentina Scheu, VARIO-Geschäftsführer Anton Flechtner, Wolfgang Sattler und Klaus Michel, Gestalter und Professor in Halle.

Mehr zu den Ergebnissen des M1 Design Competition

Mehr über das M1 und die Idee des Wettbewerbs von Klaus Michel

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