Statement/Interview

Interview mit dem Medientechnik-Experten Uwe Platz

Video Calls, Video Collaborations und ihre gewachsene Bedeutung

Video-Calls und -Konferenzen gehören zum neuen Arbeitsalltag. Welche Medientechnik wird dafür gerade neu erschlossen? Welche Lösungen und Ideen für hybride Arbeits-Situationen sind neu oder in Entwicklung?

Konferenzräume werden derzeit im großen Stil umgeplant. Videotechnik ist durch die Pandemie fester Bestandteil bei der Neu-Planung und viele Firmen statten sich jetzt mit dem Equipment für hybrides Arbeiten aus.

Was ist Standard, was ist möglich? Mehr von Uwe Platz, Geschäftsführer der Horst Platz GmbH mit Sitz in Friedrichsdorf/Taunus, die mittelständische Unternehmen und Global Player mit Medientechnik ausstattet.

Herr Platz, welchen Einfluss hat die Medientechnik auf die Veränderung der Arbeitsweisen und Büroformen? Oder ist es genau anders herum, dass die Arbeits- und Büroformen die Medientechnik beeinflussen?
Uwe Platz Wir beobachten Folgendes: Video Collaborations, die wir eigentlich schon länger kennen, erleben durch die Pandemie einen allgemeinen Boom. Aber auch nur punktuell. Im vergangenen Jahr haben wir weniger große Konferenzräume ausgestattet. Denn Räume, in denen viele Menschen zusammenkommen, wurden wenig oder gar nicht genutzt. Bis vor der Pandemie lautete ein Schlagwort "Huddle Room", also Meeting-Räume und -Orte, wo man zu zweit, dritt, viert zusammenkommt, sogenannte quick'n'dirty-Meetings, aber auch das verändert sich. Für einen großen Kunden haben wir ein Gebäude mit 200 Kameras für Huddle Rooms ausgerüstet, die Räume sind bislang wenig genutzt worden, weil während der Pandemie niemand im Büro war und jetzt niemand mehr in die kleinen Glaskäfige zurück will. Kurz gesagt wird jetzt in großem Stil umgedacht. Wir merken, dass mehr in die Ausstattung für größere Räume fließt, 6 bis 10 TeilnehmerInnen in Räumen, die für mehr Personen gedacht sind. Also größere Medientechnik gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Die Unternehmen fangen neu an zu planen, zum einen bauen sie ihre Büroflächen um, man will die Mitarbeiter wieder zusammenbringen, aber nicht zu dicht mit Trennwänden, mit Headsets und Webcams, das ist das eine. In den Konferenzräumen merken wir von der technischen Seite, dass das Thema Collaboration wichtig ist. Die Video-Ausstattung ist fester Bestandteil der Planung, und die Räume sind größer bei geringerer Besetzung.

In der Praxis ist hybrides Arbeiten ein großes Thema, mit einem Teil MitarbeiterInnen remote am Rechner im Homeoffice und einem Teil im Konferenzraum. Welche Lösungen lassen sich für diese nicht ganz unproblematische Arbeitsform entwickeln?
Alle beschäftigt, wie man diejenigen integriert, die nicht physisch anwesend sind. Alle suchen nach Lösungen für Collaboration in Verbindung mit Mobiliar, mit Bildschirm, Medienwagen. Aber auch für Software, die Mitarbeiter zusammenbringen, die nicht physisch dabei sind. Es geht nicht um Integration ins Meeting, sondern das Davor, Danach, das Drumherum, zum Beispiel über Hubs und 3D-Avatare. Auch große Firmen, die da immer schon Treiber waren, planen derzeit neu. Schulen und Bildungsbereiche sind dran. Hybrid ist absolut das Thema.

Was setzt sich in der Praxis gerade durch?
Es geht klar um Systeme, die zum Beispiel mit MS Teams, Zoom, Webex, Google Meets zusammenspielen, die Tools, die sich derzeit durchsetzen. Die Geräte sind Videobars, heißt Kamera, Audio und Video in einem, das gabs früher für kleine Räume, heute für Räume mit acht bis zehn Personen. Die Kameratechnik kann einen relativ großen Raum abdecken. Eine andere Bedeutung gewinnt die Mobilität der Video Collaboration Anlagen. Mittelständische Unternehmen mit beispielsweise drei Konferenzräumen kaufen nicht unbedingt drei Anlagen. Dafür haben wir zum Beispiel mit VARIO eine mobilen Medienwagen erarbeitet, der sich von einem Raum zum anderen schieben lässt.


Welche weiteren technischen Möglichkeiten werden sich für die Zukunft erschließen?
Im Moment ist Video natürlich das führende Thema. Die Verbreitung steckt in Deutschland trotz des Booms noch in den Anfängen. Zum Beispiel Headsets, die wir seit 25 Jahren verkaufen. Damals war das ein nice-to-have. Heute sind Headsets wichtig, weil man herumlaufen und frei sprechen kann, aber bis zu dieser Erkenntnis war es ein langer Weg. Mit Video-Ausstattung ist das ähnlich. Video ist durch die Pandemie gehyped, kommt jetzt in die Konsolidierungsphase und nachhaltige Ausstattung der Räume. Wenn Sie neue Formen der Zusammenarbeit meinen und deren Weiterentwicklung, sowohl von der Hardware- und Software-Seite, dann lässt sich das noch nicht abschliessend beantworten. Hier ist viel Dynamik und Innovation drin. Viele Firmen statten sich jetzt erst für hybride Zusammenarbeit und für den Moment aus, für anderes ist man noch nicht soweit. Ich beschäftige mich sehr damit. Ein Beispiel dazu: es gibt jetzt eine White-Board-Camera von Logitech, obwohl es digitale White Boards ohne Ende gibt. Warum macht Logitech das? Von Industriekunden wissen wir, dass in den allermeisten, auch modernen Büros noch analoge White-Boards hängen. Bei der neuen Kamera wird nur die Schrift gefilmt, nicht mehr die Menschen, das ist interessant und einen Schritt weiter, aber ich denke, die Welt ist noch nicht ganz so weit, all diese digitalen Tools sofort einzusetzen, auch wenn viele Firmen, die viel Power haben, am Denken und Basteln sind. In den allermeisten Fällen geht es noch um unkompliziertes Zusammenarbeiten von Teams über Grenzen hinweg in Verbindung mit Kamera und Audio. Und um einfache Bedienbarkeit, ganz wichtig.

Schlagwort einfache Bedienbarkeit: Wie schafft es die Medientechnik, die Nutzer auch mitzunehmen und nicht abzuhängen?
Durch Erklärung der situativen Vorteile und durch Angst-Reduktion. Dass zum Beispiel Kameras tolle Features haben, wird schon geglaubt. Viel wichtiger ist zu erklären, warum man sie braucht und für welche Arbeits-Situationen. Bei Video Collaboration geht es immer um die Anwendung. Zu lernen, die Vorteile zu erkennen und wie die Anwendung bei der Zusammenarbeit hilft. Den Menschen muss deshalb weiter die Angst vor der Technik genommen werden, ob jung oder alt. Nicht jeder ist technikaffin, das ist ein wichtiges Thema, wenn wir beraten. Noch vor drei Jahren war die Technik viel anfälliger. Glücklicherweise hat sich viel getan, diese Verbesserungen helfen. Die Vorteile, dass etwa Video-Konferenzen das Reisen ersetzen, sind selbstredend und klingen mittlerweile abgedroschen. Das war immer ein Argument. Aber so richtig verstehen wir das erst seit einem Jahr.

 

UWE PLATZ ist Geschäftsführer der Horst Platz Beratungs- & Vertriebs GmbH. Das Unternehmen ist seit 53 Jahren spezialisiert auf den Vertrieb komplexer technischer Produkte und Lösungen in der Automobil-, Telekommunikations- und IT- Industrie, in Maschinenbau, Medizintechnik und Luftfahrt. www.horst-platz.de

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