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Fotos Velux

Zu 90 Prozent in Innenräumen

Laut der Studie "Indoor-Gesellschaft" halten sich Menschen durchschnittlich mehr als 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen auf, also Wohn-, Arbeits-, Büroräume oder Verkehrsmittel. Die Studie will Planer und Architekten ermutigen, bei architektonischen Konzepten umzudenken.

Laut der Studie des britischen Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Velux-Gruppe unterschätzen die meisten Menschen, wie viel Zeit sie in geschlossenen Räumen verbringen. Die subjektive Wahrnehmung und die tatsächlichen Fakten klaffen oft weit auseinander. 82 Prozent der Befragten gaben an, dass sie täglich bis zu 21 Stunden in geschlossenen Räumen verbringen. 38 Prozent sagen, sie seien nur 14 Stunden oder weniger in Innenräumen. Laut WHO-Bericht verbringen die Menschen insgesamt aber bereits heute durchschnittlich 90 Prozent ihrer Zeit, also 21,6 Stunden, in geschlossenen Räumen. Tendenz steigend. Viele Angestellte würden sich an manchen Arbeitstagen gerade nur noch 15 Minuten in Freien aufzuhalten, heißt es. Andererseits gaben 68 Prozent an, dass sich Tageslicht spürbar auf ihre Stimmung auswirkt. Befragt wurden im Frühjahr 2018 etwa 16 000 Teilnehmer aus 14 europäischen Ländern.

 

Die Zahlen sind von Interesse, weil mangelndes Tageslicht den Schlaf-Wach-Rhythmus stören kann und damit Gesundheitsrisiken in sich birgt. In Wohnräumen sei die Luft im schlimmsten Fall zudem stärker mit Schadstoffen belastet als im Freien. Eine ganzheitliche Gebäudeplanung gehe in dieser Hinsicht oft nicht weit genug, heißt in der Studie. Das Ergebnis der Studie deckt sich in Teilen mit der Kritik am jüngsten Beschluss der überarbeiteten europäischen Richtlinie zur Energie-effizienz. Die Richtlinie reiche nicht aus in Hinblick auf Gesundheit, Wohlbefinden und Raumkomfort mittels technischer Gestaltung, hieß es nach der endgültigen Verabschiebung im Juni dieses Jahres von Umweltschutzgruppen.


Zur Studie "Indoor-Gesellschaft"
"Die Drinnen-Generation", Süddeutsche Zeitung vom 19. Juli 2018

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