Grundlagen/Wissen

Fotos Microsoft Offices - Suzhou, Scott Wright

Yoga statt Mittagsschlaf

Pause machen, das klingt banal. Und dennoch legt nur jeder vierte Angestellte mittags eine Pause ein, die wirklich der Erholung dient, so eine Studie aus dem Jahr 2016. Oft wird die Zeit genutzt, um zu essen und parallel Dienstliches zu besprechen. Im Gegenzug beschäftigen Firmen mancherorts Feelgood-Manager oder Chief of Happiness Officers. Der Trend geht dahin, die Pause wieder wie Medizin zu verordnen.

Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Silicon Valley: Chief of Happiness Officer. Der weltweit am bekanntesten gewordene CHO trat seinen Job im Jahr 2000 bei google an, Chade-Meng Tan, der mehrere Bücher darüber verfasste, wie man in Zeiten des Dauerstress mit Yoga oder Meditation zwischendurch eine kleine Pause einlegt. Der Trend ist längst nach Europa herüber geschwappt, Office-Yoga oder Achtsamkeits-Kurse boomen, neue Bürogebäude werden mit Fitnessräumen, Power-Nap-Kabinen und Erholungszonen ausgestattet.

 

Man weiß, dass der Körper einen irgendwann bestraft, wenn nicht für ausreichend Erholungs-Pausen gesorgt ist. Und doch sind es nicht wenige, bei denen genau das zu kurz kommt. Laut einer Studie der Krankenversicherung Pronova BKK aus dem Jahr 2016 nehmen sich nur vier von zehn Angestellten jeden Tag die Zeit für eine Mittagspause, die wirklich der Erholung dient. Rund ein Drittel, 31 Prozent, der 1660 Befragten verlässt seinen Arbeitsplatz im Laufe des Tages häufig nicht ein einziges Mal.

 

Auch die Art der Pausengestaltung und die Bedeutung, die man ihr zumisst, sind wichtig. Ein Drittel der Arbeitnehmer nutzt Pausen, um parallel Dienstliches zu besprechen. Noch mehr verbringen sie mit privaten Erledigungen wie Einkaufen, Kleidung zur Reinigung bringen oder Termine organisieren (39 Prozent). "Diese Dinge tragen nicht zur Erholung bei und sollten daher nicht die Regel sein", heißt es in der Studie. Im Gegenzug boomen Fitness- und Gesundheits-Kurse unterschiedlichster Art, die nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf vom Schreibtisch wegbewegen wollen. Yoga-Kurse werden in hippen Coworking Spaces genauso organisiert wie sie in mittelständischen Unternehmen zum Sport-Angebot gehören. Die neue Office-Yoga-Welle löst auch die Idee des kurzen Büro-Schlafs ab, besser bekannt geworden und aufgepeppt als Power-Nap.

 

Medizinern zufolge ist ein kurzer Tagschlaf zwar gesund. Das belegte vor drei Jahren eine große Langzeitstudie der Harvard School of Public Health unter 24.000 Menschen. Die Forscher hatten festgestellt, dass diejenigen, die mindestens dreimal in der Woche tagsüber eine halbe Stunde lang schliefen, ein um 37 Prozent geringeres Risiko für einen Herzinfarkt hatten, weil im Schlaf Stresshormone schneller abgebaut werden.

 

Doch Schlafen im Büro hat sich nie durchsetzen können. Auch weil die wenigsten Unternehmen für ein Nickerchen räumliche Gelegenheit bieten. Der zunehmende Verzicht auf Einzelbüros zugunsten von Open Spaces verstärkt die ablehnende Haltung. Eine Studie der amerikanischen Schlafforscherin Sara Mednick hat zudem festgestellt, dass erst eine Schlafzeit von einer Stunde wirklich fit macht. Im Arbeitsalltag kompatibler ist das zehnminütige Officeyoga-Programm, für das viele Unternehmen neuerdings Fitnessräume einrichten.

 

Studie "Betriebliches Gesundheitsmanagement 2016" der Pronova BKK 

Was macht eigentlich der Chief Happiness Officer? - Spiegel online vom 7. März 2016

Website Sara Mednick

 

 

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