Blick hinter die Kulissen

Interview Simone Kaempf

Nachhaltig Büromöbel produzieren

Holz ist der Haupteinsatzstoff bei der Produktion von Büromöbelsystemen. VARIO bezieht seine Holz-Werkstoffe aus nachhaltig betriebenen Forstwirtschaften. Was heißt es aber darüber hinaus, umweltbewusst und –freundlich zu produzieren und die Kriterien für Nachhaltigkeit zu erfüllen? Mehr darüber von Sascha van der List, der bei VARIO genau dafür verantwortlich ist. 

Sie sind bei VARIO fürs Umwelt- und Qualitätsmanagement verantwortlich. Was genau bedeutet Nachhaltigkeit in einem Büromöbel-produzierendem Unternehmen?
Sascha van der List: Es gibt ein Zitat von Mark Twain, das Nachhaltigkeit ganz gut beschreibt, nämlich: "Natürlich interessiert mich die Zukunft, ich will schließlich den Rest meines Lebens darin verbringen". Der Satz bringt auf den Punkt, dass es um dauerhafte Veränderung geht.

 

Heißt, Nachhaltigkeit ist auch etwas in die Zukunft Gerichtetes...
Absolut. Nachhaltigkeit umfasst den gesamten Produktionsprozess, aber beginnt schon bei Kleinigkeiten. Es geht natürlich um andere Dimensionen, als man es zum Beispiel von der Mülltrennung zuhause kennt, aber am Beispiel lässt sich der Unterschied gut beschreiben. Alles, was an Abfällen anfällt, trennen auch wir sortenrein. Aber bei uns fallen Holzwerkstoffe in drei Klassen an. Wir haben metallische Stoffe, die als Beschläge an den Möbeln dienen, Aluminium und Stahl, die alle in getrennten Wertstoff-Containern entsorgt werden. Und wir haben zum Beispiel relativ neu ein sehr sauber arbeitendes Trennsystem für Isopropanol-getränkte Tücher. Insgesamt haben wir verschiedenste Maßnahmen ergriffen, um die Normen DIN EN ISO 14001 sowie DIN EN ISO 9001 zu erfüllen, nach denen wir zertifiziert sind. Aber es zählen auch Aspekte wie Arbeits- oder Brandschutz, Ordnung und Sauberkeit dazu.

 

Sie kümmern sich um die Einhaltung der Normen. Was verbirgt sich genau hinter denen?
Einmal geht es im Grunde tatsächlich um die Qualität des Möbelstücks und auch die der Prozesse. Mit dem Umwelt-Managementsystem sichern wir, dass wir nachhaltig produzieren und dies auch laufend garantieren können. Klingt einfach, umfasst aber alle Bereiche, Materialien, Abläufe. Im Großen wie in kleine Details hinein.


Haupteinsatzstoff in der Produktion sind Holzwerkstoffe, aber auch Schichtstoffe, Metalle, Farben und Lacke. Woher stammen die Materialien?
Alle Holzwerkstoffe, die wir verarbeiten, stammen aus nachhaltig betriebener Forstwirtschaft. Unser Lieferant ist die Firma Egger in Österreich, die schonende Waldernteverfahren einsetzt, auf Biodiversität achtet und über Richtlinien eine pflegliche Waldwirtschaft garantiert. Bei Lacken wiederum kommen für Echtholzfurniere UV-härtende Lacke mit stark reduzierten VOC-Gehalt und Beizen auf Wasserbasis zum Einsatz. Grundsätzlich führen wir für jedes eingesetzte Material, vom Holz, Lack bis zum normalen Büro-Papierkleber sogenannte Gefahr-Substitutionsprüfungen durch. Das heißt, man schaut bei jedem Produkt, ob es nicht Alternativen gibt, die noch umwelt- und menschenverträglicher sind.


Welcher ist der heikelste Bereich, wo ist es am schwierigsten, Nachhaltigkeit zu wahren?
Das kann man so nicht sagen, die Summe zählt. Um Nachhaltigkeit zu erfüllen, muss man durchaus größere organisatorische Maßnahmen treffen und immer wieder Punkte setzen, wo man wöchentlich, monatlich oder auch täglich die Überprüfung garantiert. Es geht wirklich um permanente Überprüfung und Wandel zum dauerhaft besseren, das fängt bei der Warenannahme an und reicht bis zum Transport zum Kunden. Zertifiziertes Qualitäts- und Umweltmanagement heißt in dem Zusammenhang, dass man nicht aufhört, die Abläufe zu kontrollieren und zu verbessern.

 

In den vergangenen Jahren wurden Fertigungsanlagen umfassend modernisiert, wie hat sich das ausgewirkt?
Der Holz-Ausschuss hat sich wirklich nochmal verringert. Wir erreichen beim Schneiden der Platten für unsere Tische und Büromöbel-System einen sehr guten Verschnittsatz, der deutlich unter dem Branchendurchschnitt liegt. Als wir früher mit Schmelzkleber gearbeitet haben, kam es schon mal vor, dass bei Ausschuss die Plattenkante nicht mehr zu gebrauchen war und man neu fertigen musste. Das ist mit der neuen Laser-Kantenanlage nicht mehr der Fall.

 

Wie plant man die Auslieferungen und die Transportlogistik?
Angesichts der Diesel-Affäre und der Diskussion um Abgas-Belastung ist das natürlich nochmal ein wichtiger Punkt. Alle Spedition-Lkws verlassen unsere Produktion komplett gefüllt, alle Fahrtrouten sind optimiert, unnötige Fahrtwege vermeiden wir. Liederbach liegt dafür perfekt, wir sitzen im Herzen Deutschlands, von hier aus kommt man über die Autobahnen in alle Richtungen. Alle diese Aspekte sind für sich nur Kleinigkeiten, summieren sich aber. Man kennt ja diese kleinen Dinge von zuhause: Nehme ich das Auto zum Einkaufen oder fahre ich lieber mit dem Fahrrad? Das mögen Kleinigkeiten sein, die man im Laufe der Jahre auch wieder in den Hintergrund rücken. Aber die Kleinigkeiten können nach hinten raus gravierende Wirkung haben, gerade in einem Unternehmen. Und ich bin derjenige, der diese Prozesse permanent in Augenschein hält.


SASCHA VAN DER LIST, Jahrgang 1979, Bachelor-Abschluss als Process Professional Lean Six Sigma Black Belt, arbeitet seit September 2016 bei VARIO und ist verantwortlich fürs Qualitäts- und Umweltmanagement sowie für den Arbeits- und Brandschutz 

Mehr über die VARIO Umwelterklärung

phone
mail