Statement/Interview

von Interview Simone Kaempf Fotos Eva Jünger

Neues wagen mit Johannes Warth

Motivationstrainer und Vortragsredner Johannes Warth will in seinen Vorträgen zu einem freien, unternehmerischen Denken und Handeln ermutigen; dazu, Neues zu wagen und den ersten Schritt zu gehen. Im Juni war er zu Gast beim VARIO Sommerfest. Mehr über Mut, Veränderung und Überlebensstrategien im 21. Jahrhundert.

In Ihren Vorträgen geht es immer wieder darum, dass die meisten Menschen lediglich einen mutigen Gedanken bräuchten, um Neues zu wagen. Warum ist das so schwierig?
Johannes Warth: Für Menschen gibt es von Haus aus immer ein "Aber". Man würde gerne etwas machen, aber dann schiebt sich das Aber davor. Wir sind voll von diesen Wenn und Aber, sehen gerne das Schwierige und finden mehr Argumente, warum etwas nicht funktioniert. Ich glaube, dass dort der Schlüssel liegt. Wir sollten uns immer mal wieder von Einwänden befreien und leichter werden. Als Ermutiger frage ich immer wieder: was ist das Ideal, das passieren kann und rate, sprecht doch das Gute aus. Wenn erst einmal etwas begonnen ist, wirkt Erfolg oft ermutigend... Vorher muss ich den Mut haben, es auszuprobieren und weiterzumachen, selbst wenn es beim ersten Mal nicht funktioniert.

 

Sie arbeiten in Ihrem Vortrag verschiedene Punkte und Strategien heraus, was ermutigend wirkt.
Das sind verschiedene Aspekte eines Erfolgsdenkens, und als allererstes heißt es, Erfolg zu definieren. In der Natur ist man erfolgreich, weil man jahrelang einen Acker bewirtschaftet, aber plötzlich gibt er nichts mehr her. Erfolg ist in dem Fall auch: wir lassen den Acker einfach mal eine Pause einlegen, ein Jahr macht der Acker Sabbat. Man muss in allem immer eine Mischung finden.

 

Ihr Vortrag heißt "7 Schritte zum Erfolg oder Wie überlebe ich im 21. Jahrhundert?" Das 21. Jahrhundert ist ja noch relativ jung. Sie selbst sind Jahrgang 1961, haben also auch noch das letzte Jahrhundert kennengelernt. Welche anderen Überlebens-Strategien braucht man heute?
Ich glaube, schwierig ist es für die Generation, die mit neuen Medien aufgewachsen ist und heute fast schon ausgebrannt ist. Wenn man den Zahlen Glauben schenken darf, gibt es einen gewaltigen Anstieg von Fällen in der Jugendpsychiatrie. Um das 21. Jahrhundert zu überleben, muss man auf jeden Fall noch mehr die Achtsamkeit mit diesen neuen Medien für sich erkennen. Ich rede da gar nicht von Gefahr. Ich liebe ja mein Smartphone oder mein Notebook, aber gebrauchen sie mich oder brauche ich sie? Man muss erkennen, wo man benutzt wird und wo einem die Dinge dienen.

 

Heißt, man muss auch verzichten und eine Balance finden?
Genau, die Herausforderung hießt ja: man ist overloaded. Zum Überleben gehört auch, mal wieder ohne bestimmte Dinge auszukommen. Und man muss differenzieren, wer man ist, wo man steht, bin ich Unternehmer, Mitarbeiter oder Rentner? Einer meiner Slogans ist: wir müssen früh lernen, mit wenig glücklich zu leben. Dann ist das, was ich mehr habe, auch ein wirklich ein, ja ein Mehr. Nicht ein Muss, dessen Abwesenheit mich unglücklich macht. Als Ermutiger will ich niemanden vorschreiben, wie er zu leben hat. Wenn ich etwas möchte, dann eher wachzurufen.

 

Sie arbeiten seit mehr als 25 Jahren als Ermutiger, Motivator und Vortragsredner. Welche Veränderung beobachten Sie?
Als ich angefangen habe, gab es ein nice-to-have. Ich war jemand, der motiviert und bestätigt. Dann kam die Phase, wo ich derjenige sein durfte, der einen wachruft, warnen ist vielleicht übertrieben, aber wachrufen in dem Sinne: wir dürfen den Anschluss nicht verlieren. Jetzt bin ich jemand, der den Hebel wieder umlegen soll. Die Stimmung wendet sich dahin, dass die Dinge wieder anders gemacht werden sollen. Es breitet sich auch Angst aus. Und Angst ist immer das Schlimmste. Ich erkläre in meinem Vorträgen das immer anhand des Beispiels: wenn Sie mit einem Bergführer in den Bergen sind und Nebel zieht auf, und der Bergführer hat Angst, dann möchte ich in dem Bergteam nicht dabei sein. Sie nennen sich selbst Ermutiger und Überlebensberater, das klingt, als sollte man auch stets Humor im Spiel halten. Ja, und das hilft auch, die Angst fernzuhalten. Und zu sagen, hey Leute, es gibt Nebel, aber wir sind da und es kann uns nichts passieren. Keine Panik! Jeder Einzelne hat immer noch Möglichkeiten. Panik darf nicht ausbrechen. Oder anders gesagt Panik darf nur ausbrechen, wenn niemand mehr etwas Neues erfindet.

 

Wenn man Ihnen spricht und Ihre Vorträge hört, kann Mut zu haben, so einfach sein...
Ich würde sagen, einen Versuch zu machen, kann ganz einfach sein. Eine Garantie gibt es natürlich nicht.

Und wie motiviert sich ein Motivations-Trainer, wenn ihm die Motivation ausgeht?

Ich höre dann meinen eigenen Worten zu, oder auch denen von anderen. Was ich vortrage, sagen ja auch andere. Und ich versuche mich dann auf das Wesentliche zu reduzieren. Asterix und Obelix übrigens, die ich schon als Jugendlicher gerne gelesen habe, die bringen es sehr schön auf den Punkt: was soll uns Schlimmeres passieren als das uns der Himmel auf den Kopf fällt?

JOHANNES WARTH, Jahrgang 1961, arbeitet als Vortragsredner, Motivator, Ermutiger und Überlebensberater. www.johannes-warth.de

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