Statement/Interview

Simone Kaempf Fotos VARIO Referenzbilder Projekte: Unit Network Leipzig (oben), Boltze Gruppe Braak, Euricon, DAL Mainz, Steuerberaterkanzlei in Villmar, Unit Network Leipzig

Grünes Licht für Schwarz ?

Marianne Eck hat so manche Farbe kommen und gehen sehen - Weiß blieb. "Büros haben in Deutschland eine helle, moderne Anmutung", sagt Innenarchitektin Eck, die seit 30 Jahren die VARIO-Kunden bei Farben und Materialien berät. Seit kurzem taucht auch Schwarz wieder auf. Ist das ein Trend oder nur kurzfristige Abwechslung? Mehr über Farbplanung und das dominierende Weiß im Interview. 

Auf einem Termin saß vor kurzem jemand in auffällig gestreiftem Hemd, ein anderer in Schwarz, auf dem Holztisch lagen bunte Kataloge. Alles wirkte durcheinander. Lässt sich darüber besser verstehen, warum Bürotische und -möbel vor allem weiß, grau und hell sind?

Marianne Eck: Ich denke schon, allerdings bin ich eine Verfechterin von Farbe. Es gibt in der Hinsicht ja zurückhaltende Menschen. Aber Farbe regt an. Farbe ist Erkennung. Farbe ist Emotion, auch Aufmunterung. Und das finde ich wichtig,

 

Welche Farben werden bei Büro-Einrichtungen derzeit nachgefragt, was ist der Stand?

Ich bin jetzt 30 Jahre dabei. Als ich anfing, war es Weiß, so blieb es jahrelang. Weil die Menschen das Gefühl hatten, das Weiß langsam satt zu haben, kamen Buche und unterschiedliche Holz-Dekore, künstlich oder echt, oft gemischt mit Grau und Anthrazit, das sah eigentlich ganz elegant aus. Und jetzt ist es wieder Weiß. Wenn Sie nach Italien schauen, kommen von dort wieder mehr dunkle Farben kombiniert mit Holztönen und starken farbigen Akzenten, wie Grün, Gelb und Burgunderrot.

 

Glauben Sie, dass sich Schwarz durchsetzen könnte, oder eine andere Farbe das Weiß ablöst?

Ob sich dauerhaft etwas umkehrt, weiß ich nicht. In der aktuellen Ausgabe einer Architekturzeitschrift ist viel Gelb drauf, aber geht es wirklich um die Farbe oder ist es gerade einfach nur Sommer und man will etwas Helles? Ich beobachte aber tatsächlich, dass mehr Schwarz nachgefragt wird, schwarze Gestelle, schwarze Korpen. Früher habe ich das selten geplant. Ich kann aber nicht sagen, ob es ein Trend ist oder nur eine Abwechslung und ein Gegenpol. Wir sehen auch skandinavische Farben, Pastelltöne wie helles Blau, Grün, sogar Rosé, sanft oder strahlender. Aber wir versuchen, solche Farben in den möglichen Trägern zu verplanen – als Dekore und Stoffe für Raumgliederung, Blenden, Kissen. Wenn die Kunden weniger mutig sind, unterbreiten wir Vorschläge und bringen Farben ins Spiel, CI-Farben etwa, oder wir greifen bestehende Farb-Konzepte auf.

 

Weiß und Grau galten lange als Nicht-Farben. Andererseits ist diskrete Farblosigkeit auch ein Zeichen von Understatement. Spielt das Offene von Weiß eine Rolle bei der Planung?

Weiß ist für mich offen, klar, und es ist modern. Die Moderne wird oft mit Weiß in Verbindung gebracht. Licht spielt eine Rolle. Wenn man weiß möbliert, setzt man Farben und Licht anders ein. Die Wirkung ist eine andere. Zudem bin ich der Meinung, dass es auch kulturelle Unterschiede gibt. Wenn Sie in deutschen, italienischen oder französischen Wohn-, Design- und Fach-Zeitschriften die Häuser anschauen, sind die sehr unterschiedlich möbliert. Die Deutschen sind oft sehr klar, nutzen Sichtbeton, weiß, grau, etwas Holz, einige wenige Farben. In den anderen Ländern sehen Sie mehr Cross-Over und bunte Vielfalt. Der Minimalismus und die Liebe zum Zurückhaltenden empfinde ich in Deutschland stärker als bei anderen Länder.

 

Wie stark beeinflussen Trends aus dem Wohnbereich die Büroplanung? Großflächige Wandtattoos zum Beispiel sieht man seit einiger Zeit auch in Büros.

Wohntrends wirken besonders in Gemeinschaftsbereiche und in die typischen Mittelzonen. In den letzten Jahren sieht man sehr viel Filz und wollige Stoffe, das kommt aus dem Wohnbereich. Ich hoffe allerdings, dass das auch bald wieder vorbei ist.

Sorgen Activity-Based-Workplace-Konzepte dafür, dass man bei der Planung dieser Kombizonen mehr aus dem Wohnbereich aufnimmt?

Klar, ja. Sie sehen Küchen in Büros, die sehr wohnlich sind, gemütliche Lounge-Bereiche, Pflanzen, hochflorige Teppiche, die eigentlich ganz typisch für Wohnraum-Einrichtung sind. Das Licht ist anders gestaltet, anstatt High-Tec Büroleuchten werden Wohnleuchten eingesetzt, die eine ganz andere Atmosphäre vermitteln. Wandfarben sind dagegen weiter sehr selten in Büros. Wir sehen immer noch viele weiße Wände, aber inzwischen auch großflächige Motivtapeten mit Stimmungs-oder Naturbildern. Und Kunst zieht ein.

Pantone hat Greenery als Farbe des Jahres gewählt. Ist Grün in der Büroplanung derzeit sichtbarer?

Bei den Accessoires schon, wie zum Beispiel Kissen, Kissen auf Containern, Kissen auf Schränken. Oder bei Blenden, wenn mutige Architekten die Farben aufnehmen. Im VARIO-Programm zum Beispiel auch bei akustisch wirksamen Materialien für Rückwand-Aufsätze oder Blenden im Lounge-Bereich, die bieten wir etwa auch in Grün. Ich mag Grün. Farben werden natürlich auch bei Polstermöbeln eingesetzt. Wenn wir farbige Fronten liefern, dann sind das neben Furnier- und Dekoroberflächen auch mit Stoffen bezogene Fronten. Beim Schrank-System M10 können die Türen mit Stoff bezogen werden, und das sieht auch sehr schön aus, macht alles etwas wohnlicher und wärmer.

 

Eine zeitlang waren Farbleitsysteme in aller Munde, was ist daraus geworden?

Farben sind wichtig für die Orientierung und Wiedererkennung zum Beispiel in Schulen und großen Gebäuden mit hohen Besucherzahlen. Erinnern Sie sich an die Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie, wo die Fassade mit Projektionen animiert wurde? Mittlerweile gibt es für den Innenbereich dynamische digitale Leitsysteme, wo man Projektionen, Screens und Infobildschirme zur Orientierung nutzt. Davon unabhängig ist es zusammengefasst einfach so, dass Büros in Deutschland derzeit eine helle, moderne Anmutung mit immer mehr Farbakzenten haben.

 

MARIANNE ECK, Jahrgang 1959, studierte Design / Innenarchitektur in Mainz. Seit 1988 arbeitet sie als Innenarchitektin bei VARIO.

 

 

phone
mail