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Fotos Joerg Huber

Stille Örtchen

Wo entwickelt man neue Ideen? Eher jenseits der gewohnten Arbeitsumgebung, sagt eine Studie der Beratungsfirma iQudo, die auf kreative Arbeitswelten spezialisiert ist. 84 Prozent der Befragten gaben an, dass sie die besten Ideen nicht an ihrem Arbeitsplatz entwickeln, sondern anderswo.

Vor zwei Jahren befragte die Stuttgarter Unternehmensberatung iQudo insgesamt 502 Mitarbeiter, die in einer der innovativsten Gegenden der Welt tätig sind: im Viertel South of Market in San Francisco, der Heimat von Firmen wie Twitter, Airbnb und Salesforce. Befragt wurden Mitarbeiter im Alter von 16 bis 65 Jahren, davon 34 Prozent zwischen 26 und 34 Jahren, zur Hälfte männlich und weiblich.

 

Ergebnis der Studie: 84 Prozent der Befragten sagen, sie entwickeln die besten Ideen nicht an ihrem Arbeitsplatz, sondern jenseits des eigenen Schreibtischs. Und zwar:vor allem beim Joggen, spazieren gehen, Radeln (30,7 Prozent), im privaten Gespräch (27,7 Prozent), beim Lesen und Musikhören (25,1 Prozent). Was nicht heißt, dass man nicht auch im Büro Ideen entwickelt. Das werde dann jedoch auf den Austausch mit inspirierenden Kollegen (47,7 Prozent) und auf ein kreatives Arbeitsumfeld (29,1 Prozent) zurückgeführt. Als Gründe für mangelnde Inspiration am eigenen Arbeitsplatz wurden genannt: zu viel Ablenkung (47,1 Prozent), zu wenig Zeit (28,2 Prozent) und zu konzentriert auf anderes (26,9 Prozent).

 

Überraschend am Ergebnis sei, schreibt iQudo im Resümee der Studie, dass laut den Befragten zwar fehlende Zeit die Kreativität blockiere, aber genügend Zeit nicht automatisch Geistesblitze hervorbringe. Vielmehr sei Zeitdruck in der Praxis auch ein probates Mittel. iQudo zitiert eine Reihe von Kreativen, die einen differenzierten Blick auf Zeit haben: Simone Lendzian, Corporate Communication Manager bei Adidas sagt, dass kurz vor der Präsentation neuer Kollektionen der Zeitdruck unter den Designern produktiv steige. Alexander Schill, Kreativchef der Agentur Serviceplan glaubt, dass Zeitdruck helfe, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Und auch Oliver Voss von OliverVoss Hamburg sagt, dass viele Ideen zwar in der normalen Bürozeit zwischen 9 und 18 Uhr entstehen, aber Zeitdruck helfe, schnell und fokussiert zu arbeiten. Als Antwort darauf, was eine kreative Atmosphäre ausmacht, wird Stefan Kolle, Head of Creation von Kolle Rebbe zitiert, der sagt man versuche eine angstfreie, positive und kollaborative Atmosphäre zu schaffen, um die Kreativität der Mitarbeiter zu fördern.

 

Komplette Studie: iqudo.com

Text in der Süddeutschen Zeitung vom 24. Mai 2017: "Geh doch raus! Die besten Ideen hat man nicht im Büro. Deshalb suchen immer mehr etablierte Firmen eine kreative Heimat auf Zeit."

 

 

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