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Wie flexibel sind die Digital Natives wirklich?

Die Arbeitswelt fordert immer mehr Flexibilität, doch wie werden die neuen Arbeitstrends eigentlich von Studenten beurteilt, also den zukünftigen Arbeitnehmern? Die Fraunhofer-Studie "Die Digital Natives: Grenzenlos agil?" zeigt das Stimmungsbild unter dem Akademiker-Nachwuchs. Eine wichtige Erkenntnis der Studie: flexibles Arbeiten von unterwegs wird akzeptiert, langfristige Auslandsaufenthalte sind jedoch weniger beliebt als vermutet.

Befragt wurden 1500 Studenten, wie sie zukünftig arbeiten wollen. Die Fragestellung lautete: Bis zu welchem Ausmaß sind die neuen "Digital Natives" bereit, den aktuellen Arbeitstrends zu folgen? Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft geht dabei vom Begriff der agilen Arbeit aus, der einen Schritt weiter reicht als allein die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und -orten oder einer gelegentlichen Anpassung von Strukturen oder Prozessen. Nach dem sogenannten "agilem Manifest" aus dem Jahr 2001 ist es wichtiger, auf Veränderungen zu reagieren, als vorher festgelegten Plänen zu folgen. Verträge mit dem Kunden sind nur solange eins-zu-eins umzusetzen, solange dies nach wie vor der Maximierung des Kundennutzens dient, so die Haltung agilen Arbeitens.

 

Vom Menschen verlangt das viel ab, heißt es im Vorwort der Studie. Denn jeder Einzelne sei gefordert, sich ständig neu zu organisieren und zu arrangieren, sich Ziele zu setzen und immer wieder neue Aufgaben zu stellen, in wechselnden Konstellationen zu arbeiten und sein Expertenwissen anzupassen. Die Herausforderung für Unternehmen bestehe darin, den negativen Folgen entgegenzuwirken und das richtige Maß zu finden, sowie agiles Arbeiten in einen passenden Rahmen einzubetten. Wie aber sieht das richtige Maß aus, damit auch die Interessen der Mitarbeiter gewahrt bleiben?


Die Fraunhofer Studie definierte dafür sieben Arbeitstrends, zu denen sie 1500 Studenten in drei Gruppen befragte. Davon mehrheitlich Mint-Studierende (Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), also diejenigen, die später vor allem im Bereich der Programmierung oder Zukunftstechnologien arbeiten. Dazu Studierende der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und Gesellschafts- und Sozialwissenschaften.


Das Resümee
Die Bereitschaft der Studierenden ist groß, den eigenen Erfolg an erreichten Zielen messen zu lassen, zwischen 83 und 90 Prozent, je nach befragter Gruppe, stimmt dem zu. Auch wechselnde Aufgaben und Rollen begrüßen die zukünftigen Digital Natives, ermittelte die Studie. Allerdings sei man weniger bereit, selber ständig um die Aufträge und die Kontakte zu konkurrieren. Und auch der Zusammenarbeit mit häufig wechselnden und fremden Mitarbeitern stehe man kritisch gegenüber.

 

Groß sei zwar die Bereitschaft, in internationalen Teams zu arbeiten, sie schrumpft aber sobald es um einen längeren Auslandsaufenthalt geht. Heißt: Hin und wieder geschäftlich ins Ausland reisen würde man zwar gerne (zwischen 82 Prozent und 64 Prozent), aber längerfristige Arbeitseinsätze stoßen auf weniger Begeisterung: bei Mint-Studierenden sind es 43 Prozent, bei Rechtswissenschaften 53 Prozent, bei Gesellschafts- und Sozialwissenschaften nur 27 Prozent.


Dagegen werde der Trend zum lebenslangen Lernen durchgehend akzeptiert. Auch die Bereitschaft zur Selbstorganisation der Arbeit sei akzeptiert. Neun von zehn Befragten wünschen dies jedoch in klassischen unbefristeten Arbeitsverhältnissen. Mehr als die Hälfte der Befragten war unter 25 Jahre alt. 47 Prozent planten ihr Studium innerhalb eines Jahres abzuschließen, weitere 26 Prozent innerhalb der nächsten zwei Jahre. Fazit der Studie: "Für Organisationen, die sich agiler ausrichten, wird der Wandel auch mit dem Eintritt der neuen Generation kein einfaches Unterfangen"


 

Summary der Studie auf der website des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft

Zur kompletten Studie "Die Digital Natives: Grenzenlos agil?" des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft

 

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