Trends/Messen

von Simone Kaempf Fotos Koelnmesse GmbH - Lutz Sternstein

Food for Thought

Wohnen in der Zukunft: Auf der Kölner Einrichtungsmesse Imm Cologne ragt das Projekt „Das Haus“ heraus. Der amerikanische Designer Todd Bracher entwirft auf 200 qm eine Vision verschmelzender Räume. Alles soll ineinander übergehen.

Duschen im Freien, wie es Todd Bracher vorschwebt, ist wohl eher etwas für Romantiker. Computerarbeit und volle Bücherregale in der Küche gehören schon mehr zum Grundbedürfnis modernen Lebens. Oder auch Wohn-Zonen, in denen sich Arbeit mit Daydreaming vermischt, Kochen zur Erholung wird. Das sind Ideen des Designers Bracher für das begehbare und bewohnbare "Das Haus" auf der diesjährigen Imm Cologne. Der New Yorker ist verantwortlich für das 200 qm große Areal samt Möblierung und kompletter Ausstattung, für das er das klassische Wohnkonzept aus Dreizimmern, Küche, Bad und Flur auflöst.

Stattdessen gibt es im Inneren zwei rechteckige Räume, davor eine Art Terrasse. Alles geht ineinander über. Bracher nennt diese Bereiche multifunktionale Zonen. Nicht mehr die räumliche Abfolge, sondern die Ansprüche und Wünsche der Menschen geben die Struktur vor. Sein Haus folgt den alltäglichen Bedürfnissen, die er Versorgung, Erholung und Planung nennt. Der größte Bereich ist eine offene Küche mit vielen Bücherregalen, aber auch Sesseln und Ruhezone.

 

Amerikaner sind vom offenen Wohnen geradezu besessen. Bracher führt diesen Gedanken nochmal weiter. So steht Nahrung in seinem Wohnkonzept für Ernährung des Körpers und des Geists. Spricht er von Genuss, bedeutet das traditionell das Kochen und Essen, aber auch Rituale beim Genuss von Information, ob online, medial oder in Gesprächen. Und die Dusche unter freiem Himmel soll den Menschen mit Naturerlebnissen bereichern.

 

Die Wohnhaus-Simulation erhielt bereits im Vorwege der Messe viel Aufmerksamkeit und nach dem ersten Messetag bescheinigten Trendblogger und Presse, sich in Brachers Räumen äußerst wohlzufühlen. Traditionell ragt "Das Haus" aus dem Messeprogramm heraus, seit es 2012 eingeführt wurde und sofort zum Top-Event aufstieg.

 

Todd Brachers Holzregale oder schlicht eingerichtete Räume repräsentieren aber auch gut, was sich sonst im Programm abzeichnet. Materialmix ist eines der Zauberworte für neue Möbelentwürfe, die schnörkellos und gleichzeitig plüschig, zeitlos und aktuell sein wollen. Lederpolster im Kupfergestell, Esche auf Aluminiumbeinen, Hocker mit Korksitzen - hippes, zitierfreudiges Design, das freizügig kombiniert.

 

imm cologne 17

 

 

Ursula Geismann vom Verband der deutschen Möbelindustrie fasst im Blog auf faz.net die Trends so zusammen, dass Plüschiges vor allem bei Sitzmöbeln und Bezugsstoffen zu finden sei, die einladend, aber auch ein wenig kitschig wirken. Ausgedient habe die alte Sofa-Struktur aus Drei-, Zwei- und Ein-Sitzer zugunsten des Einzelsofas. Massivholz werde als Material wieder wichtiger. Desiree Groenendal vom Trendblog Vosgesparis.com schreibt, dass alles individueller werde, auch rauer und weniger hochglanzpoliert. Als Beleg nennt sie Tapetenkollektionen mit Drucken im Industrial-Style, die wie Betonwände wirken, deren Risse mit Gold gefüllt sind oder vergrößerte Industriewände mit rostigen Elementen und Farbspritzern. Karl Johan Bertilsson, Creative Director bei NCS Colour stellte als Farbtrend neue erdige, warme Töne vor, passend zu Pantones Greenery als Farbe des Jahres.

 

Ein großes Thema auf der Imm Cologne ist die zunehmende Vernetzung von Haushaltsgeräten, die vor allem im Küchenbereich mit viel Erfindergeist und Enthusiasmus durchgespielt wird. Aber auch bei elektrischen Regalsystemen, die per Smartphone ansteuerbar sind. Als Gegentrend boomen Möbelklassiker, die aus den dreißiger bis fünfziger Jahren stammen, weit aus dem Vor-Internetzeitalter also - und beliebter sind denn je.

 

www.faz.net

www.vosgesparis.com

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