Trends/Messen

von Melina Hau Fotos ZDF/AMC, ProSieben

"Für Muttermal und Büro gilt: Veränderung ist kein gutes Zeichen."

Mad Men, Suits, Stromberg & Co. - Fernsehserien haben Büros schon seit einiger Zeit für sich entdeckt. Wenn wir nach einem anstrengenden Tag von der Arbeit kommen und den Fernseher einschalten, sind sie da, die Traumbüros, die Klischeekollegen und der cholerische Chef.  

Anstatt entnervt abzuschalten bei einem Thema, das einen den ganzen Tag begleitet hat, sehen wir gebannt hin und plötzlich ist statt einer Folge die ganze Staffel in einer Nacht geschaut. Das ist Ihnen noch nicht passiert? Dann folgen hier einige Empfehlungen der angehenden Designerin und bekennenden Serien-Zuschauerin Melina Hau.

 

"Die Büros sehen ja aus wie'n Gesellenstück vom Sargschreiner" (Bernd Stromberg)
Dem können Sie kommentarlos zustimmen? Dann sollten Sie sich überlegen, die Serie Stromberg (nochmal) zu schauen und bloß nichts von uns Büromöbelherstellern zu verbauen. Wer Stromberg kennt, schätzt die Sprüche von Christoph Maria Herbst, die überzeichneten Klischees und vor allem die authentische Ausstattung. Für alle, die Stromberg noch nicht kennen: stellen Sie sich ein spießbürgerliches Büro vor, mit Buchenfurniermöbeln, Ordnerrücken und Windows Vista auf jedem Rechner ("Büro ist wie Jazz, nur ohne Musik").

Genau das Bild, das man von der Zweigniederlassung "Schadensregulierungen M-Z" einer Versicherungsgesellschaft in einem kleinen Dorf vor Augen hat. Die Ausstattung ist genau so überzeichnet wie die Charaktere der Serie und trotzdem findet man Details aus dem eigenen Büroalltag. Das zeichnet auch das Seriengenre einer Mockumentary (ein Kofferwort aus to mock = verspotten und documentary = Dokumentation) aus. Nach fünf Staffeln und einem Film ist das unterhaltsame Spektrum der tristen Farblosigkeit aber auch ausgereizt.

 

Nostalgie, Vintage und Zigarettenqualm
Kaum jemand vermisst die Zeit, als Frauen maximal Sekretärinnen waren, der Chef in seinem schweren Ledersessel Whiskey aus der Schreibtischschublade holte und Rauchen im Büro vollkommen normal war. Dennoch, ist die Serie "Mad Men" preisgekrönt und zwar nicht nur für Drehbuch und schauspielerische Leistung, sondern insbesondere für die Ausstattung. Requisiteur Scott Buckwald und Regisseur Matthew Weiner haben ein so detailverliebtes 60er Jahre Set erschaffen, dass dieses nach dem Serienende seinen Platz im Museum fand.

Die Protagonisten fügen sich nahtlos in dieses Set ein. Sie tippen fleißig auf Schreibmaschinen, haben Affären mit der Sekretärin und rauchen Kette. Die Darstellungen der gesellschaftlichen Hierarchien, der Geschlechterrollen und des Zeitgeistes werden exakt in die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse der 60er eingebettet. Für den Abgleich mit der Realität lohnt sich ein Blick in Möbel- und Firmenprospekte der Zeit.


Der amerikanische Traum
Das amerikanische Traumbüro befindet sich ganz oben in einem Wolkenkratzer, mit Sicht über New York, mit einem Portier am Eingang und dem eigenen Namen als Firmenschriftzug auf der Marmorwandverkleidung. Die Serie "Suits" spielt in genau so einem Wolkenkratzer. Im Verlauf der Serie arbeitet man sich mit dem jungen Anwalt Mike Ross vom Großraumbüro bis zu einem der begehrten Einzelbüros vor. Sein Mentor Harvey Specter bietet die Vorlage für das Traumbüro.

Es ist elegant, voller Designermöbel und, da auch der Besitzer einige Marotten hat, nimmt die obligatorische Plattensammlung eine ganze Wand ein. Diese Büros sind für ihre Besitzer nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern ein Statussymbol, das zeigt, wie sehr sie sich für die Firma engagieren, indem sie auch nachts arbeiten oder ihr Privatleben vernachlässigen. Natürlich sind sie nie überarbeitet, immer hervorragend gekleidet und spätestens um sechs Uhr morgens im Büro. Wer sich durch sechs Staffeln Rechtsstreitigkeiten, Beziehungen und Bürointrigen gequält hat, wird am Ende mit der Auflösung belohnt, ob es Mikes Name auf die Marmorwandverkleidung am Eingang schafft.

Alle Serien sind bei den gängigen Streamingdiensten verfügbar.  

 

 

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