Blick hinter die Kulissen

von Simone Kaempf Fotos VARIO System-Möbel Illustration von 1958

Geburtsstunde moderner Baukasten-System-Möbel

Die Entwicklung leistungsfähiger Büroeinrichtungen ist eine Innovationsgeschichte, die vom Stehpult zum Steh-Sitz-Tisch oder vom Bücherschrank zum modularen Schrank-Regalwandsystem reicht. VARIO brachte 1958 das erste Möbel-Baukasten-System auf den Markt, ein Meilenstein in der Entwicklung moderner Qualitäts-Büromöbel.

Büroeinrichtungen wurden bis zu diesem Zeitpunkt ähnlich wie Wohnmöbel produziert: verleimt und fest nach Tischler-Art gebaut. Die erste Idee für ein variier- und umbaubares System-Möbel entstand Anfang der Fünfzigerjahre. Mit dem schnellen wirtschaftlichen Wiederaufbau vergrößern sich Verwaltungen und Firmenzentralen, der Papierbedarf und der benötigte Stauraum dieser Unternehmen ist enorm. Ohne organisierte Büros ist Arbeit nicht mehr denkbar.

 

VARIO ist in den 50er Jahren ein erfolgreiches Familienunternehmen, geleitet von mehreren Söhnen des Gründers Wilhelm Dichmann, die umfangreiche Erfahrungen mit der Produktion von Büro- und Labor-Möbeln, Furnieren oder Schlafzimmer-Möbeln gesammelt hatten und bereits in der Dreißigerjahren mit der Produktion von Fertighäusern aus Holzwerkstoffen experimentierten. 1958 flossen dieses Knowhow, neueste Produktionsmethoden und eine gutes Gespür für Kundenwünsche in das erste Baukasten-Programm. Variable Stauraum-Schränke wurden zwar bereits seit 1951 produziert, nun wird systematisch erweitert.

 

Tischplatten, Gestelle, Schrank- und Regalelemente zum Um- und Nachrüsten in normierten Höhen und Größen, Metallschienen, Schraub- und Schnappverbindungen lassen sich individuell für jeden Arbeitsplatz variieren und vor Ort zusammenbauen – die Geburtsstunde der VARIO-Systemmöbel. Besonderer Augenmerk liegt auch auf der Inneneinrichtung der Schreibtischschubladen oder Schrankablagen. In den Sechzigern entwickelt VARIO als erster Büroeinrichter eine variable Schubladenablage aus Kunststoff statt aus Holz, der flexible Einsatz ermöglicht bessere Ausnutzung des Stauraums, so wie es für Schränke ein System aus Papierablagen, Hängeregistern oder Regalflächen gibt. 

Bilder: Auszüge aus dem Prospekt des ersten VARIO Baukasten-System-Möbel aus dem Jahr 1958. Verwendet wurde hauptsächlich Holz: furnierte Tischlerplatte, Holzrahmenkonstruktionen mit furnierten Oberflächen, Standardqualität Buche oder Eiche.

 

In den Sechzigerjahren entwickelt VARIO seine System-Möbel schrittweise weiter. Neue Materialien wie Spanplatten, Kunststoffe oder Oberflächenveredlung der Naturhölzer verändern die Produkte. Neue Holzbearbeitungsmaschinen verbessern die Qualität der Plattenkanten.

 

Ab 1968 steigen die Ansprüche ans Design und an die Ergonomie, mit der man sich intensiv zu beschäftigen beginnt. Die ersten Computer von IBM, mit denen in den 70er Jahren Logistik- oder Buchhaltungs-Arbeitsplätze ausgestattet werden, sind Fernseher – große Arbeits-Stationen mit Tastaturen, dick wie Ziegelsteine. Sitz-, Arbeits- und Blickhöhen spielen erstmals eine Rolle. VARIO entwickelt seinen ersten höhenverstellbaren Arbeitstisch. Nach amerikanischem Vorbild werden Büros nun auch in Deutschland als Großraumflächen geplant. Motorola und die Hessische Landesbank gehören 1973/74 zu den ersten Projekten, bei denen VARIO akustisch wirksame Materialien einsetzt.

Bilder: Möbelprogramm 1972. VARIO-excellent für Top-Führungskräfte in Nussbaum oder Palisander, VARIO-chef und VARIO-contact für Sekretariate mit Holz- oder neuen Kunststoffoberflächen etwa in den Farben meranblau oder islandgrün. Blau gilt zu der Zeit als besonders beruhigend fürs Auge. Die endgültige Farbauswahl wurde mithilfe von Farbpsychologen und Designern getroffen.

 

Bis heute werden VARIO-System-Möbel kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert. Als Stauraum- und Raumgliederungsmöbel erfüllen sie bei höchsten ästhetischen Ansprüchen mehrere Funktionen in sich verändernder Büro-Flächenplanung. Modularisierung, Individualisierung, Sonderanfertigungen nehmen neue Dimensionen an, wenn VARIO spätestens Herbst 2018 die parametrisierte Produktion einführt.


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